Digital & Inklusion Aktualisiert November 2026

Barrierefreie Arbeitsblätter erstellen: Praxisleitfaden für Lehrkräfte

Wenige Anpassungen, große Wirkung: Sechs Gestaltungs­prinzipien, drei KI-Prompts zum Vereinfachen, Schriftart-Empfehlungen und eine 8-Punkte-Checkliste — Materialien für alle.

  • 9 Minuten Lesezeit
  • Für Lehrkräfte aller Fächer, Sonderpäd., Medienbeauftragte
PaukKI Redaktion
Zu den Prinzipien Checkliste ansehen
  • 6 Gestaltungs­prinzipien
  • 3 KI-Prompts
  • 8-Punkte-Checkliste

Wer profitiert?

Die Annahme „barrierefreie Materialien sind nur für Schüler:innen mit Förderbedarf" ist falsch. Wer Schrift größer macht, Anweisungen klarer formuliert und Aufgaben differenziert anbietet, hilft allen: LRS-Lerner:innen, DaZ-Schüler:innen, ADHS-Betroffenen, Brillenträger:innen — und sich selbst, weil korrigieren leichter wird.

Universal Design heißt: Material funktioniert für viele Voraussetzungen ohne Spezialversion. Das spart langfristig Zeit — und ist didaktisch fairer.

Sechs Gestaltungs­prinzipien

Sechs Ausgangspunkte für zugänglichere Materialien. Prüfe zusätzlich, welche Anpassungen die Lernenden konkret benötigen.

1

Klare visuelle Hierarchie

Überschriften deutlich abgesetzt, Aufgaben­nummerierung sichtbar, weiße Flächen zwischen Aufgaben — Augen finden sofort, was zusammen­gehört.

2

Kurze, eindeutige Anweisungen

Eine Aufgabe = eine Anweisung. Statt „Lies, unterstreiche und notiere …" → drei separate Schritte. Imperativ, kein Konjunktiv.

3

Visuelle Anker

Symbole, Bilder oder Farb-Codes als Orientierungs­hilfen — nicht dekorativ, sondern funktional. Mit Alternativtext versehen.

4

Genug Schreibraum

Linien mit ausreichend Abstand, eingedrucktes Lineatur-System bei jüngeren Klassen, Antwort­felder groß genug für unterschiedliche Schreib­motorik.

5

Mehrere Repräsentations­ebenen

Aufgaben durch Text + Bild + (optional) Audio-QR-Code. Wer schwach liest, kann hören. Wer schwach hört, kann lesen.

6

Differenzierte Aufgaben­stufen

Grundsicherungs-Aufgabe + Erweiterung. Alle bearbeiten die Grundsicherung, schnelle gehen weiter. Niemand kommt in „Stillstand"-Situation.

Schrift und Typografie

Schriftwahl entscheidet, ob ein Material in 5 Minuten oder 10 Minuten gelesen wird.

OpenDyslexic

Für: Individuell erproben

Für Dyslexie entwickelt; ein allgemeiner Lesevorteil ist nicht belegt.

Atkinson Hyperlegible

Für: Sehbeeinträchtigung

Vom Braille Institute entwickelt. Maximaler Kontrast zwischen ähnlichen Zeichen.

Arial / Verdana

Für: Standard

Etabliert, weit verfügbar. Mindestens 12pt im Druck, 14pt empfohlen.

Schul­ausgangsschriften

Für: Grundschule

Druck­schrift erst, Schrift­vorbild nicht mit Schriftart vermischen.

KI-Prompts zum Anpassen

Drei Prompts, die bestehende Materialien zugänglicher machen — Copy-Paste-fertig.

Aufgabentext sprachlich vereinfachen

Universeller Prompt
Du bist Lehrkraft. Vereinfache folgende Aufgabenstellung für Klasse [X] sprachlich:

[Originaltext einfügen]

Regeln:
- Kurze Sätze (max. 12 Wörter)
- Eine Anweisung pro Satz
- Aktive statt passive Form
- Häufige Wörter statt Fachsprache (außer Fach­begriffe, die explizit gelernt werden)

Gib zwei Versionen: A) leicht vereinfacht, B) stärker vereinfachte Sprache. Erkläre schwierige Begriffe und markiere den Text als Entwurf zur Prüfung mit der Zielgruppe.

Alternativtexte für Bilder generieren

Universeller Prompt
Erstelle Alternativtexte für folgende Bilder, die ich in einem Arbeitsblatt zum Thema [Thema] verwenden möchte:

[Bilder beschreiben oder Liste]

Alt-Text-Regeln:
- Beschreibt, was zu sehen ist (kein „Bild von …")
- Funktionale Info zuerst (was ist relevant für die Aufgabe?)
- Max. 125 Zeichen
- Bei rein dekorativen Bildern: leerer Alt-Text empfohlen

Differenzierungs-Stufen für Aufgabe

Universeller Prompt
Hier eine Aufgabe für Klasse [X], Fach [Y]:
[Aufgabe einfügen]

Erstelle drei barrierearme Varianten:
- Stufe 1: mit Sprachhilfe (Wortspeicher, einfacher Aufbau)
- Stufe 2: Standard, aber gut strukturiert
- Stufe 3: Erweiterung mit Transfer­frage

Je Stufe: Aufgabentext + kurzer Lehrerhinweis.

Praxis-Checkliste

Acht Fragen vor dem Druck. Wer fünf mit „Ja" beantwortet, hat ein zugängliches Material.

  • Schrift ≥ 12pt (Druck) bzw. ≥ 14pt (Beamer-Projektion)?
  • Kontrast zwischen Schrift und Hintergrund ausreichend (≥ 4.5:1)?
  • Klare Überschriften und Aufgaben­nummerierung?
  • Aufgaben­anweisungen kurz und im Imperativ?
  • Bilder mit Alternativtext (im Druck: kurze Beschreibung daneben)?
  • Genug Raum für Antworten und Notizen?
  • Mindestens zwei Niveaustufen vorhanden?
  • Symbole/Icons konsistent verwendet?

Häufige Fragen

Was unterscheidet ein „barrierefreies" von einem „normalen" Arbeitsblatt?

Barrierefrei heißt: zugänglich für möglichst viele unterschiedliche Lerner:innen, ohne Anpassungen. Mehr Schriftgröße, klare Struktur, Alternativen zu reinem Text, gestufte Aufgaben. Im Idealfall merkt die Klasse nichts — alle können einfach arbeiten.

Reicht es, die Schrift größer zu machen?

Nein — Schrift­größe ist nur ein Aspekt. Wichtiger sind Struktur, Sprache und Differenzierung. Ein gut strukturiertes Arbeitsblatt in 12pt ist zugänglicher als ein chaotisches in 16pt.

Kann KI komplett barrierefreie Arbeitsblätter generieren?

Bedingt. KI hilft sehr gut beim Vereinfachen von Texten, Alternativtext-Vorschlägen und Differenzierungs-Stufen. Layout, Schriftart-Wahl und Druck-Vorbereitung bleiben deine Aufgabe — mit Tools wie Canva for Education, Word oder LibreOffice.

Welche Schriftarten sind empfehlenswert?

Arial oder Verdana können als Ausgangspunkt dienen. Größe und Abstände müssen zum Material und zu den Lernenden passen. Atkinson Hyperlegible wurde für Menschen mit Sehbeeinträchtigung entwickelt. Spezielle LRS-Schriften wie OpenDyslexic bieten keinen gesicherten allgemeinen Lesevorteil.

Wie viel Mehraufwand entsteht durch Barrierefreiheit?

Der Aufwand hängt vom Material und den benötigten Anpassungen ab. Zugängliche Vorlagen können bei späteren Materialien Zeit sparen. Sprachliche Prüfung, korrekte Lesereihenfolge und ein Test mit den Lernenden bleiben nötig; eine feste Zeitersparnis lässt sich nicht angeben.

Gibt es rechtliche Vorgaben für Schulen?

Ja — die UN-Behindertenrechts­konvention (Art. 24) und die jeweiligen Landes-Schulgesetze fordern inklusiven Unterricht. Konkrete Material­vorgaben sind selten gesetzlich, aber Schulen müssen „angemessene Vorkehrungen" treffen.

Quellen zu den überarbeiteten Angaben

Zuletzt geprüft am 5. November 2026. Die Links führen zu den Unterlagen, auf denen die zentralen Tatsachenangaben beruhen.

Jetzt umsetzen

Das nächste Arbeitsblatt barrierefrei bauen.

Nimm die Checkliste mit in dein Textprogramm — Struktur, Kontrast und Schrift sind in zehn Minuten geprüft.