Methoden Aktualisiert September 2026

Wie funktioniert ChatGPT? Unterrichts­einheit für die Sekundarstufe

Vier Stunden, sechs Kernkonzepte, klare Lernziele — eine komplette Unterrichts­einheit, die ChatGPT verständlich macht. Ohne Informatik-Studium unterrichtbar.

  • 11 Minuten Lesezeit
  • Für Lehrkräfte Informatik, Politik, Deutsch, Klasse 8–11
PaukKI Redaktion
Zu den Konzepten Vier Stunden ansehen
  • 6 Kernkonzepte
  • 4-Stunden-Einheit
  • Mit LZK + Diskussions-Set

Lernziele

Vier messbare Lernziele — abrufbar in der Mini-LZK (Material 6).

  • Schüler:innen erklären in eigenen Worten, wie ein Sprachmodell trainiert wird.
  • Schüler:innen unterscheiden zwischen „Token", „Modell" und „Trainingsdaten".
  • Schüler:innen erklären das Phänomen Halluzination und ihre Ursachen.
  • Schüler:innen bewerten Stärken und Grenzen aktueller LLMs an konkreten Beispielen.

Sechs Kernkonzepte

Diese sechs Begriffe machen ChatGPT verständlich — alles andere folgt aus ihnen.

1

Tokens

Sprache wird zerlegt — nicht in Buchstaben oder Wörter, sondern in „Token" (Wortteile). „Schul-unterricht" sind 2–3 Token. Das Modell rechnet mit Token, nicht mit Bedeutung.

2

Wahrscheinlich­keits-Maschine

Das Modell sagt für jeden Kontext den wahrscheinlichsten nächsten Token vorher. Eine sehr ausgeklügelte Auto­vervollständigung — aber kein „Verstehen".

3

Trainingsdaten

Modelle werden mit riesigen Textmengen trainiert (Bücher, Webseiten, Foren). Was im Korpus fehlt, fehlt im Wissen. Was häufig vorkommt, prägt das Modell.

4

Halluzination

Modelle füllen Lücken plausibel — auch wenn sie nichts wissen. Erfundene Zitate, falsche Daten, fiktive Quellen sind keine Fehler des Systems, sondern Folge seiner Bauart.

5

Feintuning (RLHF)

Nach Grundtraining werden Modelle von Menschen bewertet. Das macht sie hilfsbereit, höflich, sicher — aber auch konformer.

6

Bias

Modelle übernehmen die Schieflagen ihrer Trainingsdaten. Geschlechter­rollen, kulturelle Perspektiven, politische Framings — alles dokumentiert.

Vier Stunden

Aufbauend gestaltet: Sprache → Training → Halluzination → Folgen.

  1. Schritt 1: Stunde 1: Sprache als Token

    Einstieg mit Live-Demo: Klasse rät den nächsten Token in einem Beispiel-Satz. Sprache als Wahrscheinlich­keits-Folge erkennen. Hausaufgabe: Drei Sätze in Token-Stücke zerlegen.

  2. Schritt 2: Stunde 2: Training und Daten

    Wie wird ein Modell „erzogen"? Trainingsdaten, Skalierung, RLHF. Klasse diskutiert: Was wäre, wenn das Modell nur deutsche Texte aus dem 19. Jahrhundert kennte? Auswirkungen verstehen.

  3. Schritt 3: Stunde 3: Halluzinationen entdecken

    Klasse generiert gezielt Halluzinationen — fragt nach erfundenen Personen, falschen Daten, fiktiven Quellen. Anschließend Analyse: Wie reagiert das Modell? Warum klingt es so plausibel?

  4. Schritt 4: Stunde 4: Folgen und Verantwortung

    Was bedeutet das für unseren Umgang mit KI? Diskussion zu Bias, Wahrheit, Verantwortung. Abschluss: Lernzielkontrolle als 5-Minuten-Test.

Materialien

Sechs Materialien zum Selbst-Erstellen — Prompts dafür findest du im Studio.

Token-Visualisierer

Lehrkraft-Tool oder Webseite, die Eingabe-Sätze in Token zerlegt zeigt. Klasse experimentiert.

Trainingsdaten-Karte

A4-Übersicht: Was sind Trainingsdaten? Beispiele aus echten Modell-Korpora.

Halluzinations-Stationen

5 Stationen mit gezielten Aufgaben, Halluzinationen zu provozieren.

Konzept-Glossar

Kompakte Übersicht der 6 Kernkonzepte. Druckvorlage für Schüler-Mappen.

Diskussions-Leitfaden

Strukturierte Fragen für Stunde 4 — von Bias bis Verantwortung.

Mini-LZK

5-Min-Test mit 5 Fragen. Mit Musterlösung und Bewertungs­hinweis.

Transfer-Diskussionen

Fünf Diskussions­fragen für Stunde 4 oder Folge­stunden — fächer­übergreifend einsetzbar.

  • Inwiefern unterscheidet sich KI-Wissen von menschlichem Wissen?
  • Was bedeutet es, dass die KI „nichts versteht", aber sehr gute Antworten gibt?
  • Welche Verantwortung trägt, wer Trainingsdaten auswählt? Wer kontrolliert das?
  • Werden Modelle „besser" — oder nur „polierter"?
  • Kann eine Maschine kreativ sein, wenn sie nur Wahrscheinlichkeiten berechnet?

Häufige Fragen

Brauche ich Informatik-Kenntnisse, um die Einheit zu unterrichten?

Nein — die Konzepte sind so erklärbar, dass sie ohne Programmier­wissen verständlich sind. Wichtiger als technische Tiefe ist die Bereitschaft, Schüler-Fragen offen zu beantworten und auch mal „Weiß ich nicht — gucken wir gemeinsam" zu sagen.

Welche Fächer eignen sich?

Informatik (klarer Fokus), Politik/GW (gesellschaftliche Folgen), Deutsch (Sprache und Modell), Ethik (Verantwortung). In Reihen­vereinbarung sogar fachübergreifend möglich.

Müssen alle Schüler:innen ChatGPT selbst nutzen?

Nicht zwingend. Lehrkraft kann live demonstrieren, Bildschirm spiegeln. Für Stunde 3 (Halluzinationen) ist eigene Schüler-Erfahrung aber sehr wertvoll. Schul-Account oder Klassen-Tool nutzen.

Wie aktuell ist die Einheit in 12 Monaten?

Die Kernkonzepte (Token, Training, Halluzination) sind langfristig stabil. Die konkreten Modelle ändern sich laufend: Im Juli 2026 kam GPT-5.6, im September GPT-6 Astra — Letzteres zunächst nur in Pro-, Business- und Enterprise-Konten, Free und Plus bleiben bei GPT-5.6. Aktuelle Beispiele sollten ergänzt werden, der Rahmen bleibt gültig.

Können auch jüngere Klassen (5–7) diese Einheit?

Nicht in dieser Form. Für Klasse 5–7 brauchst du didaktisch reduzierte Versionen — nur eines der sechs Konzepte pro Stunde, sehr bildhaft. Eine eigene Einheit „Wie spricht eine Maschine?" wäre passender.

Direkt einsetzbar

Die Einheit in die Sekundarstufe bringen.

Erklären, ausprobieren, reflektieren — das Modell wird begreifbar, wenn die Klasse es testet.