AI Literacy ist seit 2025 nicht Kür, sondern Auftrag.
Artikel 4 des EU AI Act verlangt seit Februar 2025 von Anbietern und Betreibern Maßnahmen, die die Entwicklung von KI-Kompetenz bei ihrem Personal unterstützen. Der Digital Omnibus hat im Juli 2026 klargestellt, dass kein bestimmtes individuelles Kompetenzniveau garantiert werden muss. Für Schulen folgt daraus kein vorgeschriebener Einheitskurs, aber ein nachvollziehbarer Anlass, Nutzungskontext, Risiken und Vorkenntnisse in der Fortbildungsplanung zu berücksichtigen.
Warum jetzt fortbilden?
Drei Gründe. Erstens: KI ist Schulalltag geworden — Schüler:innen nutzen sie längst für Hausaufgaben, Recherchen, Texte. Wer als Lehrkraft mitreden will, muss verstehen, was KI kann (und was nicht).
Zweitens: Unterstützung bei Routineaufgaben. KI kann Entwürfe und Varianten schneller liefern. Ob daraus tatsächlich Zeitgewinn und gutes Material entstehen, hängt von Aufgabe, Werkzeug, Prompt und fachlicher Nachprüfung ab.
Drittens: Der EU AI Act. Artikel 4 verlangt von Anbietern und Betreibern Maßnahmen, die die Entwicklung der KI-Kompetenz ihres Personals unterstützen. Seit dem Digital Omnibus (in Kraft seit 27. Juli 2026) ist ausdrücklich klargestellt, dass kein bestimmtes individuelles Niveau garantiert werden muss. Welche Maßnahme angemessen ist, hängt vom konkreten Einsatz und den Vorkenntnissen ab.
AI Literacy und der EU AI Act
Was der EU AI Act für Lehrkräfte praktisch bedeutet — die wichtigsten Punkte.
- Artikel 4 des EU AI Act verpflichtet Anbieter und Betreiber von KI-Systemen zu Maßnahmen, die die Entwicklung der KI-Kompetenz ihres Personals unterstützen.
- Berücksichtigt werden müssen Vorkenntnisse, Ausbildung, Einsatzkontext und die Personen, auf die das System angewendet wird.
- Ein bestimmtes individuelles Kompetenzniveau, ein Standardkurs oder ein Zertifikat sind nicht vorgeschrieben.
- Für Schulen sind Grundkenntnisse zu Möglichkeiten, Grenzen, Bias, Halluzinationen und Datenschutz ein sinnvoller Ausgangspunkt.
- Eine kurze Dokumentation von Anlass, Zielgruppe und Inhalten hilft, die gewählte Maßnahme später nachvollziehbar zu machen; sie ist aber kein automatischer Rechtsnachweis.
Inhalte einer guten Fortbildung
Eine sinnvolle KI-Fortbildung deckt sechs Bausteine ab — von theoretischen Grundlagen bis zu konkreter Praxis.
Was ist KI — und was nicht?
Verständnis von Sprachmodellen, Bildgeneratoren und Halluzinationen. Nicht technisch, aber genau genug, um Risiken einzuschätzen.
Prompting für Lehrkräfte
Wie aus „Mach mal ein Arbeitsblatt" ein präziser Prompt wird, der brauchbare Ergebnisse liefert. Die wichtigste praktische Kompetenz.
Tool-Landschaft
Welche Tools für welche Aufgabe — ChatGPT, Fobizz, SchulKI, Canva, Copilot, Gemini im Vergleich. Stärken, Schwächen, Kosten.
Datenschutz in der Praxis
DSGVO-Grundregeln, was darf rein/was nicht, Bundesland-spezifische Vorgaben, AV-Vertrag. Ohne Juristen-Deutsch.
Aufgabenformate, die mit KI funktionieren
Klassische Hausaufgaben verändern sich. Neue Formate: Prozessdokumentation, Reflexion, Anwendung im Unterricht.
KI-Kompetenz für Schüler:innen
Was Schüler:innen über KI wissen und können sollten — Prompt-Kompetenz, Quellenkritik, Halluzinations-Erkennung.
Online vs. Präsenz vs. Mikro
Vier Formate — jedes mit eigenem Sweet-Spot. Was zu deinem Kollegium passt, hängt von Erfahrung, Zeit und Ziel ab.
Mikrofortbildung
15–30 Min.Wann: Konferenz-Slot, Pause, Selbststudium
Schnelle Impulse — neue Tools, Updates, Mini-Tricks. Niedrigschwellig fürs ganze Kollegium.
Pädagogischer Tag
3–6 Std.Wann: Schulinterner Fortbildungstag, SchiLF
Ganzes Kollegium in einen einheitlichen Stand bringen — Grundlagen + Hands-on + Datenschutz.
Online-Selbstlernkurs
5–15 Std.Wann: Eigenes Tempo, asynchron
Lehrkräfte mit Vorerfahrung, die gezielt vertiefen wollen — Prompt-Engineering, fachspezifische Anwendung.
Multiplikator-Ausbildung
20–40 Std.Wann: Mehrere Wochen, Hybridmix
Medienbeauftragte, Fachschaftsleitungen, die selbst Fortbildungen anbieten sollen.
Vier Kompetenzstufen
Nicht jede Lehrkraft braucht Multiplikator-Niveau. Diese vier Stufen helfen, das eigene Ziel realistisch festzulegen.
Stufe 1 — Beobachten
Versteht grob, was KI ist und wo sie eingesetzt wird. Kann Risiken (Halluzination, Bias, Datenschutz) benennen.
Grundlage für Personal, das KI dienstlich einsetztStufe 2 — Anwenden
Nutzt KI für eigene Vorbereitung — Arbeitsblätter, Stundenentwürfe, Korrekturhilfen. Beherrscht Grundregeln Datenschutz.
Empfohlen für Lehrkräfte mit PraxisinteresseStufe 3 — Gestalten
Setzt KI didaktisch reflektiert im Unterricht ein. Entwickelt eigene Prompts und Aufgabenformate. Erklärt Schüler:innen KI-Grundlagen.
Empfehlung für Klassen-/FachlehrkräfteStufe 4 — Multiplizieren
Berät Kolleg:innen, organisiert Fortbildungen, entwickelt schulische KI-Konzepte mit. Aktualisiert sich kontinuierlich.
Medienbeauftragte, Fachschaftsleitungen, SchulleitungenEmpfohlener Lernpfad
Sechs Schritte vom „noch nie ausprobiert" bis zur produktiven Routine. Gesamt-Zeitaufwand: rund 8–12 Stunden über drei Monate.
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Schritt 1: Erstes Tool ausprobieren
Wähle EIN Tool (z. B. ChatGPT oder SchulKI), erstelle damit dein erstes Arbeitsblatt. Maximal 30 Minuten — vor allem: Hemmschwelle abbauen.
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Schritt 2: Datenschutz-Grundregeln verinnerlichen
Die eine Regel („keine personenbezogenen Schülerdaten") plus ein Bundesland-Check. 15 Minuten.
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Schritt 3: 60-Minuten-Crashkurs Prompting
Verstehe, was einen guten Prompt ausmacht. Üben anhand realer Vorbereitungs-Aufgaben aus der eigenen Woche.
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Schritt 4: Erste Routine bauen
Lege ein bis zwei Aufgabentypen fest, die du regelmäßig mit KI machst (z. B. Arbeitsblätter, Feedback). Routine kommt durch Wiederholung.
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Schritt 5: Mit Kolleg:innen austauschen
Sprich mit ein bis zwei Kolleg:innen über deine Erfahrungen. Beste Lernform: gemeinsam ausprobieren. Idealerweise in der Fachschaft.
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Schritt 6: Vertiefung wählen
Nach 3–6 Monaten Routine: Vertiefung in einem Bereich (Datenschutz für Schulleitung, Multiplikator-Schulung, Fach-Anwendung).
Pädagogischen Tag selbst planen
Eine erprobte 90-Minuten-Vorlage — modular, hands-on, direkt nachnutzbar.
90-Minuten-Mini-Workshop „KI im Unterricht"
So strukturierst du eine Fortbildung für 8–30 Lehrkräfte — ohne externe Trainer:innen, mit Hands-on-Anteil und klarem Ergebnis am Ende.
Quellen und Prüfstand
Zuletzt geprüft am 23. Oktober 2026. Die Links führen zu den Unterlagen, auf denen die zentralen Tatsachenangaben beruhen.
- EUR-Lex: Verordnung (EU) 2026/1744 — geänderter Artikel 4 Maßnahmen zur Unterstützung der KI-Kompetenz; kein garantiertes individuelles Niveau
- EU-Kommission: Fragen und Antworten zur KI-Kompetenz Keine Zertifikatspflicht, kontextabhängige Umsetzung und Aufsicht seit August 2026
Häufige Fragen
Was bedeutet AI Literacy laut EU AI Act für Lehrkräfte?
Artikel 4 verlangt von Anbietern und Betreibern Maßnahmen zur Unterstützung der KI-Kompetenz ihres Personals. Umfang und Inhalt richten sich nach Vorkenntnissen, Einsatzkontext und betroffenen Personen. Ein bestimmtes individuelles Niveau, Zertifikat oder Standardkurs ist nicht vorgeschrieben. Für Lehrkräfte sind Grundlagen zu Möglichkeiten, Grenzen, Bias, Halluzinationen und Datenschutz sinnvoll.
Welche KI-Fortbildung ist die beste?
Es kommt auf deine Stufe an. Für absolute Anfänger:innen: eine 90-Minuten-Mikrofortbildung oder eine Pädagogischer-Tag-Schulung. Für Fortgeschrittene: ein gezielter Online-Kurs zu Prompt-Engineering oder fachspezifischer Anwendung. Für Multiplikator:innen: längere Hybrid-Programme. Hauptregel: lieber kurz und praktisch als lang und theoretisch.
Wer übernimmt die Kosten für KI-Fortbildungen?
Hängt vom Bundesland und der Fortbildung ab. Landesinstitute (z. B. SchiLF, regionale Fortbildungsinstitute) bieten viele KI-Fortbildungen kostenlos für Lehrkräfte. Private Anbieter sind kostenpflichtig — viele Schulträger übernehmen die Kosten für ganze Kollegien. Frag bei deiner Schulleitung oder Fortbildungsbeauftragten nach.
Kann man KI im Selbststudium lernen?
Ja, vor allem für Stufe 1 und 2. YouTube-Tutorials, kostenlose Kurse von Anbietern wie fobizz oder Bildungsverlagen, ausprobieren mit echten Aufgaben. Schwieriger im Selbststudium: didaktische Reflexion und Multiplikator-Kompetenz — dafür hilft Austausch mit Kolleg:innen.
Wie lange dauert es, KI sinnvoll nutzen zu können?
Für erste brauchbare Ergebnisse: 30 Minuten. Für eine produktive Routine in einem Anwendungsbereich: 2–3 Stunden Lernzeit über zwei Wochen. Für sichere Tool-Beherrschung mit Datenschutz-Verständnis: 8–15 Stunden. Für Multiplikator-Niveau: 20+ Stunden plus Erfahrung im realen Einsatz.