Fortbildung Aktualisiert Oktober 2026

KI-Fortbildung für Lehrer: Inhalte, Anbieter und Empfehlungen

Was gehört in eine gute KI-Fortbildung? Welche Stufe brauchst du? Was verlangt Artikel 4 tatsächlich — und wie planst du einen Pädagogischen Tag selbst? Antworten, Selbst-Lernpfad und eine 90-Minuten-Workshop-Vorlage.

  • 10 Minuten Lesezeit
  • Für Lehrkräfte, Schulleitungen, Fortbildungs-Beauftragte
PaukKI Redaktion
Zum Lernpfad Workshop-Vorlage ansehen
  • EU-AI-Act-konform aufgebaut
  • Sechs Inhaltsbausteine + Lernpfad
  • 90-Minuten-Vorlage zum Selber-Halten

AI Literacy ist seit 2025 nicht Kür, sondern Auftrag.

Artikel 4 des EU AI Act verlangt seit Februar 2025 von Anbietern und Betreibern Maßnahmen, die die Entwicklung von KI-Kompetenz bei ihrem Personal unterstützen. Der Digital Omnibus hat im Juli 2026 klargestellt, dass kein bestimmtes individuelles Kompetenzniveau garantiert werden muss. Für Schulen folgt daraus kein vorgeschriebener Einheitskurs, aber ein nachvollziehbarer Anlass, Nutzungskontext, Risiken und Vorkenntnisse in der Fortbildungsplanung zu berücksichtigen.

Warum jetzt fortbilden?

Drei Gründe. Erstens: KI ist Schulalltag geworden — Schüler:innen nutzen sie längst für Hausaufgaben, Recherchen, Texte. Wer als Lehrkraft mitreden will, muss verstehen, was KI kann (und was nicht).

Zweitens: Unterstützung bei Routineaufgaben. KI kann Entwürfe und Varianten schneller liefern. Ob daraus tatsächlich Zeitgewinn und gutes Material entstehen, hängt von Aufgabe, Werkzeug, Prompt und fachlicher Nachprüfung ab.

Drittens: Der EU AI Act. Artikel 4 verlangt von Anbietern und Betreibern Maßnahmen, die die Entwicklung der KI-Kompetenz ihres Personals unterstützen. Seit dem Digital Omnibus (in Kraft seit 27. Juli 2026) ist ausdrücklich klargestellt, dass kein bestimmtes individuelles Niveau garantiert werden muss. Welche Maßnahme angemessen ist, hängt vom konkreten Einsatz und den Vorkenntnissen ab.

AI Literacy und der EU AI Act

Was der EU AI Act für Lehrkräfte praktisch bedeutet — die wichtigsten Punkte.

  • Artikel 4 des EU AI Act verpflichtet Anbieter und Betreiber von KI-Systemen zu Maßnahmen, die die Entwicklung der KI-Kompetenz ihres Personals unterstützen.
  • Berücksichtigt werden müssen Vorkenntnisse, Ausbildung, Einsatzkontext und die Personen, auf die das System angewendet wird.
  • Ein bestimmtes individuelles Kompetenzniveau, ein Standardkurs oder ein Zertifikat sind nicht vorgeschrieben.
  • Für Schulen sind Grundkenntnisse zu Möglichkeiten, Grenzen, Bias, Halluzinationen und Datenschutz ein sinnvoller Ausgangspunkt.
  • Eine kurze Dokumentation von Anlass, Zielgruppe und Inhalten hilft, die gewählte Maßnahme später nachvollziehbar zu machen; sie ist aber kein automatischer Rechtsnachweis.

Inhalte einer guten Fortbildung

Eine sinnvolle KI-Fortbildung deckt sechs Bausteine ab — von theoretischen Grundlagen bis zu konkreter Praxis.

Was ist KI — und was nicht?

Verständnis von Sprachmodellen, Bildgeneratoren und Halluzinationen. Nicht technisch, aber genau genug, um Risiken einzuschätzen.

Prompting für Lehrkräfte

Wie aus „Mach mal ein Arbeitsblatt" ein präziser Prompt wird, der brauchbare Ergebnisse liefert. Die wichtigste praktische Kompetenz.

Tool-Landschaft

Welche Tools für welche Aufgabe — ChatGPT, Fobizz, SchulKI, Canva, Copilot, Gemini im Vergleich. Stärken, Schwächen, Kosten.

Datenschutz in der Praxis

DSGVO-Grundregeln, was darf rein/was nicht, Bundesland-spezifische Vorgaben, AV-Vertrag. Ohne Juristen-Deutsch.

Aufgabenformate, die mit KI funktionieren

Klassische Hausaufgaben verändern sich. Neue Formate: Prozessdokumentation, Reflexion, Anwendung im Unterricht.

KI-Kompetenz für Schüler:innen

Was Schüler:innen über KI wissen und können sollten — Prompt-Kompetenz, Quellenkritik, Halluzinations-Erkennung.

Online vs. Präsenz vs. Mikro

Vier Formate — jedes mit eigenem Sweet-Spot. Was zu deinem Kollegium passt, hängt von Erfahrung, Zeit und Ziel ab.

Mikrofortbildung

15–30 Min.

Wann: Konferenz-Slot, Pause, Selbststudium

Schnelle Impulse — neue Tools, Updates, Mini-Tricks. Niedrigschwellig fürs ganze Kollegium.

Pädagogischer Tag

3–6 Std.

Wann: Schulinterner Fortbildungstag, SchiLF

Ganzes Kollegium in einen einheitlichen Stand bringen — Grundlagen + Hands-on + Datenschutz.

Online-Selbstlernkurs

5–15 Std.

Wann: Eigenes Tempo, asynchron

Lehrkräfte mit Vorerfahrung, die gezielt vertiefen wollen — Prompt-Engineering, fachspezifische Anwendung.

Multiplikator-Ausbildung

20–40 Std.

Wann: Mehrere Wochen, Hybridmix

Medienbeauftragte, Fachschaftsleitungen, die selbst Fortbildungen anbieten sollen.

Vier Kompetenzstufen

Nicht jede Lehrkraft braucht Multiplikator-Niveau. Diese vier Stufen helfen, das eigene Ziel realistisch festzulegen.

Stufe 1 — Beobachten

Versteht grob, was KI ist und wo sie eingesetzt wird. Kann Risiken (Halluzination, Bias, Datenschutz) benennen.

Grundlage für Personal, das KI dienstlich einsetzt

Stufe 2 — Anwenden

Nutzt KI für eigene Vorbereitung — Arbeitsblätter, Stundenentwürfe, Korrekturhilfen. Beherrscht Grundregeln Datenschutz.

Empfohlen für Lehrkräfte mit Praxisinteresse

Stufe 3 — Gestalten

Setzt KI didaktisch reflektiert im Unterricht ein. Entwickelt eigene Prompts und Aufgabenformate. Erklärt Schüler:innen KI-Grundlagen.

Empfehlung für Klassen-/Fachlehrkräfte

Stufe 4 — Multiplizieren

Berät Kolleg:innen, organisiert Fortbildungen, entwickelt schulische KI-Konzepte mit. Aktualisiert sich kontinuierlich.

Medienbeauftragte, Fachschaftsleitungen, Schulleitungen

Empfohlener Lernpfad

Sechs Schritte vom „noch nie ausprobiert" bis zur produktiven Routine. Gesamt-Zeitaufwand: rund 8–12 Stunden über drei Monate.

  1. Schritt 1: Erstes Tool ausprobieren

    Wähle EIN Tool (z. B. ChatGPT oder SchulKI), erstelle damit dein erstes Arbeitsblatt. Maximal 30 Minuten — vor allem: Hemmschwelle abbauen.

  2. Schritt 2: Datenschutz-Grundregeln verinnerlichen

    Die eine Regel („keine personenbezogenen Schülerdaten") plus ein Bundesland-Check. 15 Minuten.

  3. Schritt 3: 60-Minuten-Crashkurs Prompting

    Verstehe, was einen guten Prompt ausmacht. Üben anhand realer Vorbereitungs-Aufgaben aus der eigenen Woche.

  4. Schritt 4: Erste Routine bauen

    Lege ein bis zwei Aufgabentypen fest, die du regelmäßig mit KI machst (z. B. Arbeitsblätter, Feedback). Routine kommt durch Wiederholung.

  5. Schritt 5: Mit Kolleg:innen austauschen

    Sprich mit ein bis zwei Kolleg:innen über deine Erfahrungen. Beste Lernform: gemeinsam ausprobieren. Idealerweise in der Fachschaft.

  6. Schritt 6: Vertiefung wählen

    Nach 3–6 Monaten Routine: Vertiefung in einem Bereich (Datenschutz für Schulleitung, Multiplikator-Schulung, Fach-Anwendung).

Pädagogischen Tag selbst planen

Eine erprobte 90-Minuten-Vorlage — modular, hands-on, direkt nachnutzbar.

Vorlage

90-Minuten-Mini-Workshop „KI im Unterricht"

So strukturierst du eine Fortbildung für 8–30 Lehrkräfte — ohne externe Trainer:innen, mit Hands-on-Anteil und klarem Ergebnis am Ende.

0–10 Min: Demo (Studio-Live-Beispiel) 10–30 Min: 6 Grundbausteine im Überblick 30–60 Min: Hands-on — jede:r baut einen Prompt 60–80 Min: Datenschutz + AI-Act-Mini-Briefing 80–90 Min: Reflexion + nächste Schritte Bis zu 30 Teilnehmer:innen, ein:e Moderator:in

Quellen und Prüfstand

Zuletzt geprüft am 23. Oktober 2026. Die Links führen zu den Unterlagen, auf denen die zentralen Tatsachenangaben beruhen.

Häufige Fragen

Was bedeutet AI Literacy laut EU AI Act für Lehrkräfte?

Artikel 4 verlangt von Anbietern und Betreibern Maßnahmen zur Unterstützung der KI-Kompetenz ihres Personals. Umfang und Inhalt richten sich nach Vorkenntnissen, Einsatzkontext und betroffenen Personen. Ein bestimmtes individuelles Niveau, Zertifikat oder Standardkurs ist nicht vorgeschrieben. Für Lehrkräfte sind Grundlagen zu Möglichkeiten, Grenzen, Bias, Halluzinationen und Datenschutz sinnvoll.

Welche KI-Fortbildung ist die beste?

Es kommt auf deine Stufe an. Für absolute Anfänger:innen: eine 90-Minuten-Mikrofortbildung oder eine Pädagogischer-Tag-Schulung. Für Fortgeschrittene: ein gezielter Online-Kurs zu Prompt-Engineering oder fachspezifischer Anwendung. Für Multiplikator:innen: längere Hybrid-Programme. Hauptregel: lieber kurz und praktisch als lang und theoretisch.

Wer übernimmt die Kosten für KI-Fortbildungen?

Hängt vom Bundesland und der Fortbildung ab. Landesinstitute (z. B. SchiLF, regionale Fortbildungsinstitute) bieten viele KI-Fortbildungen kostenlos für Lehrkräfte. Private Anbieter sind kostenpflichtig — viele Schulträger übernehmen die Kosten für ganze Kollegien. Frag bei deiner Schulleitung oder Fortbildungsbeauftragten nach.

Kann man KI im Selbststudium lernen?

Ja, vor allem für Stufe 1 und 2. YouTube-Tutorials, kostenlose Kurse von Anbietern wie fobizz oder Bildungsverlagen, ausprobieren mit echten Aufgaben. Schwieriger im Selbststudium: didaktische Reflexion und Multiplikator-Kompetenz — dafür hilft Austausch mit Kolleg:innen.

Wie lange dauert es, KI sinnvoll nutzen zu können?

Für erste brauchbare Ergebnisse: 30 Minuten. Für eine produktive Routine in einem Anwendungsbereich: 2–3 Stunden Lernzeit über zwei Wochen. Für sichere Tool-Beherrschung mit Datenschutz-Verständnis: 8–15 Stunden. Für Multiplikator-Niveau: 20+ Stunden plus Erfahrung im realen Einsatz.

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Fortbildung beginnt mit dem ersten Prompt

90 Minuten im eigenen Kollegium wirken oft mehr als ein gebuchter Externer.