Worum es geht
Schul-Folien sind oft optimiert auf schön, nicht auf zugänglich. Resultat: Schüler:innen hinten im Raum, mit Sehschwäche, mit DaZ-Hintergrund oder mit Konzentrationsschwäche verpassen Inhalte. Sechs einfache Regeln ändern das — ohne Verlust an Design.
Barrierearme Folien sind nicht hässlicher. Sie sind klarer — und das nützt allen.
Sechs Gestaltungsregeln
Sechs Prinzipien für jede Folienerstellung — egal ob für Unterrichtseinstieg, Elternabend oder Konferenz.
Eine Idee pro Folie
Maximal ein Konzept, eine Frage, eine Aussage. Wer zu viel auf eine Folie packt, verliert alle — besonders Schüler:innen mit Konzentrations- oder Sehschwäche.
Großzügige Schriftgrößen
Mindestens 24pt für Beamer-Projektion, besser 28pt+. Was du am Laptop „groß genug" findest, ist hinten im Klassenraum oft unlesbar.
Hoher Kontrast
Schwarz auf weiß, dunkelblau auf hellgelb. Kein hellgrau auf weiß, kein dunkelblau auf schwarz. Bei Sonnenlicht im Klassenraum besonders wichtig.
Klare Folien-Reihenfolge
Logischer Aufbau. Folientitel beschreibend („Drei Argumente für …"), nicht generisch („Argumente"). Hilft auch bei Screenreader-Nutzung.
Bilder mit Alternativtext
Jedes Bild bekommt Alt-Text — auch in PowerPoint und Keynote möglich. Bei rein dekorativen Bildern: leerer Alt-Text.
Folien-Skript ausgeben
Notizen unter den Folien für Schüler:innen, die nicht alles mitschreiben können. Pages, PowerPoint und Keynote können das als PDF exportieren.
Schrift und Kontrast
Konkrete Vorgaben für die wichtigsten Folienparameter.
Schriftart
Sans-Serif (Arial, Verdana, Calibri). Serifen-Schriften (Times) erschweren das Lesen.
Schriftgröße
Titel mind. 32pt, Fließtext mind. 24pt, Notiz-Text 18pt+.
Kontrastverhältnis
Mind. 4.5:1 nach WCAG AA. Schwarz auf weiß = perfekt. Hellgrau auf weiß = nicht erlaubt.
Zeilenabstand
1.3–1.5. Eng gesetzter Text ermüdet schnell.
Hintergrund
Einfarbig hell oder einfarbig dunkel. Bilder als Hintergrund vermeiden — Text wird unlesbar.
KI als Folien-Werkzeug
KI hilft bei Folienerstellung in zwei Bereichen: Erste Skelett-Folien generieren (Microsoft Designer, Canva Magic, Gamma) und Alt-Texte zu Bildern vorschlagen (eingebaut in PowerPoint, Canva).
Wichtig: KI-Output ist Entwurf, nicht Endprodukt. Folien immer manuell prüfen auf Kontrast, Schriftgröße und Strukturlogik. KI-generierte Bilder besonders kritisch — sie haben oft keinen Alt-Text und können Stereotypen reproduzieren.
Praxis-Checkliste
Sechs Fragen vor der nächsten Präsentation — als Routine in 2 Minuten machbar.
- Mindestens 24pt für Fließtext, 32pt+ für Titel?
- Kontrast Text zu Hintergrund ausreichend (Kontrastverhältnis 4.5:1)?
- Jedes Bild mit Alternativtext beschriftet?
- Folien-Titel beschreibend (nicht „Folie 5")?
- Eine Idee pro Folie — nicht überladen?
- Folien als PDF mit Sprechernotizen exportierbar?
Häufige Fragen
Funktioniert das auch in Keynote und Canva?
Ja. Alle modernen Präsentations-Tools (PowerPoint, Keynote, Canva, Google Slides) unterstützen Alt-Texte, große Schriften und Export mit Sprechernotizen. Funktionen heißen leicht unterschiedlich — alle haben sie.
Wie schnell wird das Standard im Kollegium?
In 1–2 Schuljahren — wenn Schulleitung das Thema setzt und Multiplikator:innen schult. Realistische Reihenfolge: Pilotklasse, dann Fachschaften, dann Kollegium. Nicht Top-down von einem Tag auf den anderen.
Wie lange dauert die Umstellung einer Präsentation?
Erste Mal: 30–60 Minuten extra. Routine: 5–10 Minuten zusätzlich pro Präsentation. Nach 5–10 erstellten Präsentationen kein spürbarer Mehraufwand mehr.
Müssen wir wirklich alle Bilder beschriften?
Nicht alle. Rein dekorative Bilder (Verzierungen, Hintergrundmuster) können leeren Alt-Text bekommen. Funktionale Bilder (Diagramme, Erklärbilder, Zitat-Quellen) brauchen aussagekräftigen Alt-Text.
Hilft KI dabei?
Stark. KI kann Folienstrukturen vorschlagen, Bilder mit Alt-Texten vorschlagen, Texte sprachlich vereinfachen. Microsoft Designer und Canva Magic haben Accessibility-Hinweise eingebaut.