Worum es geht
Leichte Sprache ist kein Verkleinerungsmodus für Inhalte — sondern ein Werkzeug, das Inhalte sprachlich zugänglich macht. Wer einen Goethe-Text in einfache Sprache übersetzt, raubt ihm nicht den Goethe. Sondern öffnet ihn für eine Klasse, die ihn sonst nicht erreichen würde.
Wer profitiert: DaZ-Schüler:innen, LRS-Lerner:innen, Schüler:innen mit geistigem Förderbedarf, Hörbeeinträchtigte beim Lesentranskript, alle bei komplexen Fachtexten — und implizit die Lehrkraft, die merkt, ob sie selbst den Stoff klar gedacht hat.
8 Regeln der Leichten Sprache
Acht Regeln decken 90 % der praktischen Anwendung ab. Die offiziellen Regelwerke (Netzwerk Leichte Sprache, Inclusion Europe) sind detaillierter — für Schule reicht diese Pragmatik.
Kurze Sätze
Maximal 12 Wörter pro Satz. Eine Information pro Satz. Statt Kommas: Punkte.
Aktive Sprache
Aktiv statt Passiv. Statt „Die Aufgabe wird gelöst" → „Du löst die Aufgabe."
Häufige Wörter
Alltagswortschatz statt Fachsprache (wo möglich). Fachbegriffe definieren.
Keine Verneinungen
„Du gehst" ist klarer als „Du gehst nicht weg". Doppelte Verneinung vermeiden.
Konkret statt abstrakt
„Eltern" statt „Erziehungsberechtigte". „Polizei" statt „Behörden".
Bilder und Symbole
Visualisierungen ergänzen Text. Pro Absatz idealerweise ein Bild.
Klare Struktur
Eine Überschrift pro Absatz. Aufzählungen statt Fließtext. Genug Weißraum.
Bewährte Hilfen
Mediopunkt bei langen Wörtern („Schul·heft"), Pronomen sparsam, Datumsangaben ausgeschrieben.
Leichte vs. einfache Sprache
Drei Sprachstufen für drei Lernergruppen — Klärung der Begriffe.
Leichte Sprache
A1-Niveau (Anfänger)Sehr stark vereinfacht. Mediopunkte. 1 Aussage pro Satz. Vor allem für Schüler:innen mit geistiger Behinderung, sehr schwacher DaZ-Stand.
Einfache Sprache
A2–B1 (Grundkenntnisse)Vereinfacht, aber natürlicher. Kurze Sätze (max. 15 Wörter), häufige Wörter. Standard für DaZ-Klassen und schwächere Lerner.
Standardsprache
B2+ (Mittelstufe)Normale Schulbuch-Sprache. Fachbegriffe werden eingeführt. Für die Mehrheit der Schüler:innen passend.
KI-Workflow zum Vereinfachen
Vier Schritte vom Original zum sprachlich angepassten Material. 5–10 Minuten pro Text.
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Schritt 1: Originaltext einfügen
Den bestehenden Text (Lehrbuch-Abschnitt, Aufgabe, Material-Text) in den Prompt einfügen.
- 2
Schritt 2: Niveau wählen
A1 (Leichte Sprache), A2 oder B1 (einfache Sprache). Je nach Klasse.
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Schritt 3: KI-Output prüfen
Inhalte unverändert? Wichtige Begriffe erhalten? Sprache konsistent?
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Schritt 4: Letzter Schliff
Schwierige Begriffe ggf. erläutern. Layout anpassen (Absätze, Bilder). Persönliche Schulansprache.
Copy-Paste-Prompt
Du bist Fachexpert:in für sprachliche Vereinfachung im Unterricht.
Hier ist ein Text für Klasse [X], Fach [Y]:
[Originaltext einfügen]
Erstelle drei Versionen:
1. LEICHTE SPRACHE (A1): Sehr stark vereinfacht. Sätze max. 10 Wörter. Mediopunkte bei langen Wörtern. Aktiv-Form. Eine Aussage pro Satz. Häufige Wörter.
2. EINFACHE SPRACHE (A2/B1): Vereinfacht, aber natürlich. Sätze max. 15 Wörter. Häufige Wörter mit Erklärung schwieriger Begriffe.
3. STANDARD: Original-Niveau, gut strukturiert.
Regeln für alle Versionen:
- Inhaltlich keine Vereinfachung (Sachinformation bleibt korrekt)
- Sprachlich angepasst
- Pro Version: 1–2 Verständnisfragen am Ende Vorher/Nachher-Beispiele
Zwei konkrete Beispiele aus echten Lehrbuch-Texten — Original, einfach, Leichte Sprache.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Deutschland durch den Versailler Vertrag erheblich in seinen Souveränitätsrechten beschnitten und musste umfangreiche Reparationen leisten.
Nach dem Ersten Weltkrieg musste Deutschland einen Vertrag unterschreiben — den Versailler Vertrag. Der Vertrag war hart für Deutschland. Es durfte vieles nicht mehr selbst entscheiden. Es musste sehr viel Geld zahlen.
Der Erste Welt·krieg ist zu Ende. Deutschland muss einen Vertrag unter·schreiben. Der Vertrag heißt: Versailler Vertrag. Der Vertrag ist hart. Deutschland muss viel Geld zahlen.
Pflanzen produzieren durch Photosynthese aus Wasser und Kohlenstoffdioxid unter Verwendung von Sonnenenergie Glucose und Sauerstoff.
Pflanzen brauchen Wasser und ein bestimmtes Gas aus der Luft (Kohlendioxid). Mit der Sonne machen sie daraus Zucker und Sauerstoff. Das nennt man Photosynthese.
Pflanzen brauchen: Wasser. Luft. Sonnen·licht. Daraus machen sie Zucker. Und Sauer·stoff. Das nennt man: Photo·synthese. Sauer·stoff ist wichtig für uns. Wir atmen Sauer·stoff.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Leichter und einfacher Sprache?
Leichte Sprache (A1) ist sehr stark vereinfacht mit klaren Regeln (Mediopunkte, max. 10 Wörter pro Satz, eine Aussage pro Satz). Einfache Sprache (A2–B1) ist natürlicher formuliert, kurze Sätze, häufige Wörter — wirkt weniger künstlich. Für die meisten DaZ- und Förderbedarfs-Situationen reicht einfache Sprache.
Kann KI Texte verlässlich in Leichte Sprache übersetzen?
Gut, aber nicht perfekt. Sprachlich treffsicher, inhaltlich gelegentlich Verzerrungen — vor allem bei Fachbegriffen. Faustregel: KI als ersten Entwurf nutzen, immer von Hand prüfen. Bei zertifizierten Materialien (z. B. amtliche Inklusionsdokumente) reicht KI allein nicht.
Soll ich ALLE Materialien in Leichte Sprache anbieten?
Nein. Übergeneralisierung verflacht das Sprachniveau der Klasse. Sinnvoller: Standardversion + auf Wunsch leichtere Version. Schüler:innen, die einfachere Sprache brauchen, bekommen Wahlmöglichkeit ohne Stigmatisierung.
Gibt es offizielle Regeln für Leichte Sprache?
Ja — vom Netzwerk Leichte Sprache und Inclusion Europe. Sie sind gut dokumentiert, aber für Schule reicht meist eine pragmatische Anwendung. Im Detail variieren die Regelwerke leicht.
Wie kommuniziere ich das mit Eltern und Schüler:innen?
Transparent: „Wir bieten Materialien in verschiedenen Sprachstufen an, damit alle gut arbeiten können." Niemals Niveau-Label am Material („A1-Version" auf dem Blatt) — das stigmatisiert. Lieber farbcodiert oder einfach beide Versionen verteilen.