Digital & Inklusion Aktualisiert November 2026

Digitale Hilfen bei Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten: Tools und Unterrichtsideen

Sechs Werkzeug-Kategorien, fünf erprobte Methoden, klare Hinweise zu Grenzen und Sensibilität. Digitale Hilfen für Schüler:innen mit Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten — als Unterstützung, nicht als Ersatz für Förderung.

  • 8 Minuten Lesezeit
  • Für Lehrkräfte aller Fächer, Sonderpäd., Förderlehrkräfte
PaukKI Redaktion
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  • 5 Methoden
  • Sensibel formuliert

Was hilft wirklich?

LRS-Schüler:innen lernen am besten, wenn Lese- und Schreib-Hürden didaktisch aufgefangen werden, ohne dass Verständnis und Mitarbeit darunter leiden. Digitale Hilfen sind dafür hervorragend geeignet — sie machen Inhalte verfügbar, ohne dass Lese-/Schreibleistung im Mittelpunkt steht.

Wichtig: Digitale Hilfen ergänzen Förderdiagnostik und Sonderpädagogik. Sie ersetzen sie nicht. Optimal ist Kombination aus fachlicher Förderung (Phonologie, gezielte Übungen) und digitaler Alltagsunterstützung.

Sechs Werkzeug-Kategorien

Sechs Werkzeug-Typen, die im Schulalltag schnell einsetzbar sind. Viele sind bereits in Tablets, Word oder Schul-Lizenzen enthalten.

1

Vorlese-Funktionen

Eingebaute Screenreader (iPad VoiceOver, Android TalkBack, Word „Plastischer Reader") lesen Texte vor — Schüler:innen können Inhalte hören statt lesen.

2

Sprach-zu-Text

Diktier-Funktion (iOS, Android, Word) ermöglicht das Sprechen von Aufgaben-Antworten. Schreib­motorik und Recht­schreib­hürde werden entlastet.

3

Recht­schreib-Hilfen

LanguageTool, Word-Korrektur, Grammarly — Tools, die Fehler aufzeigen und Vorschläge machen. Wichtig: als Hilfe, nicht als Bewertungs­umgehung.

4

Wort-Vorschläge

Tasten­vorschläge auf Tablets/Phones helfen beim Schreiben — kürzere Wörter zur Auswahl, weniger Fehl­schreibungen.

5

Lesbare Schrift und Abstände

Lesbarkeit mit dem Kind erproben: Schriftgröße, Abstände und Buchstabenformen können individuell helfen. Ein allgemeiner Vorteil spezieller LRS-Schriften ist nicht belegt. Atkinson Hyperlegible wurde für Menschen mit Sehbeeinträchtigung entwickelt.

6

KI für Sprach­vereinfachung

KI-Tools können Texte in einfachere Sprache übersetzen oder zusammenfassen — der Entwurf kann den Zugang erleichtern; Fachinhalt und Verständlichkeit müssen geprüft werden.

Fünf Unterrichts­methoden

Konkrete Methoden, die digitale Hilfen didaktisch sinnvoll einbinden.

1

Audio-Lese-Tandem

Schüler:innen lesen Text mit, während die Vorlese-Funktion ihn spricht. Übung von Klang-Schrift-Zuordnung — ohne ständigen Frust.

2

Diktier-statt-Schreiben

Bei längeren Antwort­aufgaben: Sprech-Eingabe erlauben. Schüler:innen formulieren ihre Gedanken — und können sie anschließend gemeinsam editieren.

3

Sprach-Vereinfachung als Hilfekarte

Lehrkraft hat den Original­text + KI-vereinfachte Version. Schüler:innen, die Schwierigkeiten haben, können zwischen­durch die einfachere Version nutzen.

4

Lese-Pausen mit Hörbuch

Klassen­lektüre als Hörbuch parallel anbieten. Schüler:innen mit LRS können mitlesen oder nur hören — beides erlaubt.

5

KI-Tutor für Schreib­übungen

KI-Tutor (sokratisch) hilft beim Schreiben — gibt Hinweise zu Struktur und Wort­wahl, korrigiert sanft, statt zu bewerten.

Grenzen und Sensibilität

  • Digitale Hilfen sind keine Förderung — sie reduzieren Alltags­barrieren, aber ersetzen keine gezielte LRS-Therapie oder Sonderpädagogik.
  • Nachteilsausgleich klären — was bei Klassenarbeiten erlaubt ist, hängt vom Bundesland und Förderstatus ab. Schriftlich im Förderplan dokumentieren.
  • Lese-Übung bleibt wichtig — Vorlese-Funktion darf nicht jedes Lesen ersetzen. Lesekompetenz selbst ist Lernziel — KI/Tools sind Werkzeug, nicht Vermeidung.
  • Sensible Sprache — „Schüler:in mit LRS" statt „Legastheniker:in". Personen-zentriert sprechen.
  • Diagnostik bleibt fachlich — bei Verdacht auf LRS: Sonderpädagog:in oder Beratungslehrkraft einschalten, nicht KI als Diagnose-Ersatz.

Häufige Fragen

Ersetzen digitale Hilfen die Förderdiagnostik?

Nein. Sonderpädagogische Diagnose, Förderpläne und individuelle Begleitung bleiben menschliche Arbeit. Digitale Hilfen reduzieren Barrieren im Alltag — die fachliche Förderung steht parallel.

Darf ich Vorlese-Funktion bei Klassenarbeiten zulassen?

In vielen Bundesländern ja — als Nachteilsausgleich. Vorgaben variieren. Mit Sonderpädagog:in und Schulleitung klären, am besten schriftlich im Förderplan dokumentieren.

Wie verhindere ich, dass nur die LRS-Schüler:innen die Vorlese-Funktion nutzen — also stigmatisiert werden?

Vorlese-Funktion für die ganze Klasse anbieten. Auch starke Leser:innen profitieren beim Hören mehrerer Sprachen, langer Texte, neuer Wortschatz. Wer es nicht braucht, nutzt es nicht — niemand wird markiert.

Welche Schriftart soll ich für LRS-Materialien wählen?

Eine gut lesbare Schrift wie Arial oder Verdana ist ein möglicher Ausgangspunkt. Erprobe Größe, Zeilenabstand und Schrift gemeinsam mit dem Kind. Für OpenDyslexic zeigen Untersuchungen keinen gesicherten allgemeinen Vorteil beim Lesen. Atkinson Hyperlegible richtet sich an Menschen mit Sehbeeinträchtigung.

Wie kommuniziere ich digitale Hilfen mit Eltern?

Transparent als Lern­unterstützung — nicht als „Sonder­behandlung". Eltern sind meist sehr verständnisvoll, wenn klar wird: Tools senken Barrieren, fördern Lern­erfolg. Schriftliche Vereinbarung sinnvoll.

Quellen zu den überarbeiteten Angaben

Zuletzt geprüft am 5. November 2026. Die Links führen zu den Unterlagen, auf denen die zentralen Tatsachenangaben beruhen.

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Vorlesefunktion oder Rechtschreibhilfe gezielt einsetzen statt pauschal erlauben.