Digital & Inklusion Aktualisiert: Mai 2026

Digitale Hilfen bei Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten: Tools und Unterrichtsideen

Sechs Werkzeug-Kategorien, fünf erprobte Methoden, klare Hinweise zu Grenzen und Sensibilität. Digitale Hilfen für Schüler:innen mit Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten — als Unterstützung, nicht als Ersatz für Förderung.

  • 8 Minuten Lesezeit
  • Für: Lehrkräfte aller Fächer, Sonderpäd., Förderlehrkräfte
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  • 6 Werkzeug-Kategorien
  • 5 Methoden
  • Sensibel formuliert

Was hilft wirklich?

LRS-Schüler:innen lernen am besten, wenn Lese- und Schreib-Hürden didaktisch aufgefangen werden, ohne dass Verständnis und Mitarbeit darunter leiden. Digitale Hilfen sind dafür hervorragend geeignet — sie machen Inhalte verfügbar, ohne dass Lese-/Schreibleistung im Mittelpunkt steht.

Wichtig: Digitale Hilfen ergänzen Förderdiagnostik und Sonderpädagogik. Sie ersetzen sie nicht. Optimal ist Kombination aus fachlicher Förderung (Phonologie, gezielte Übungen) und digitaler Alltagsunterstützung.

Sechs Werkzeug-Kategorien

Sechs Werkzeug-Typen, die im Schulalltag schnell einsetzbar sind. Viele sind bereits in Tablets, Word oder Schul-Lizenzen enthalten.

1

Vorlese-Funktionen

Eingebaute Screenreader (iPad VoiceOver, Android TalkBack, Word „Plastischer Reader") lesen Texte vor — Schüler:innen können Inhalte hören statt lesen.

2

Sprach-zu-Text

Diktier-Funktion (iOS, Android, Word) ermöglicht das Sprechen von Aufgaben-Antworten. Schreib­motorik und Recht­schreib­hürde werden entlastet.

3

Recht­schreib-Hilfen

LanguageTool, Word-Korrektur, Grammarly — Tools, die Fehler aufzeigen und Vorschläge machen. Wichtig: als Hilfe, nicht als Bewertungs­umgehung.

4

Wort-Vorschläge

Tasten­vorschläge auf Tablets/Phones helfen beim Schreiben — kürzere Wörter zur Auswahl, weniger Fehl­schreibungen.

5

LRS-spezifische Schriften

OpenDyslexic, Atkinson Hyperlegible — Schriftarten, die typische Verwechslungen (b/d, p/q) reduzieren. Auf Materialien einsetzbar.

6

KI für Sprach­vereinfachung

KI-Tools können Texte in einfachere Sprache übersetzen oder zusammenfassen — Verständnis wird vom Lesekompetenz-Niveau entkoppelt.

Fünf Unterrichts­methoden

Konkrete Methoden, die digitale Hilfen didaktisch sinnvoll einbinden.

1

Audio-Lese-Tandem

Schüler:innen lesen Text mit, während die Vorlese-Funktion ihn spricht. Übung von Klang-Schrift-Zuordnung — ohne ständigen Frust.

2

Diktier-statt-Schreiben

Bei längeren Antwort­aufgaben: Sprech-Eingabe erlauben. Schüler:innen formulieren ihre Gedanken — und können sie anschließend gemeinsam editieren.

3

Sprach-Vereinfachung als Hilfekarte

Lehrkraft hat den Original­text + KI-vereinfachte Version. Schüler:innen, die Schwierigkeiten haben, können zwischen­durch die einfachere Version nutzen.

4

Lese-Pausen mit Hörbuch

Klassen­lektüre als Hörbuch parallel anbieten. Schüler:innen mit LRS können mitlesen oder nur hören — beides erlaubt.

5

KI-Tutor für Schreib­übungen

KI-Tutor (sokratisch) hilft beim Schreiben — gibt Hinweise zu Struktur und Wort­wahl, korrigiert sanft, statt zu bewerten.

Grenzen und Sensibilität

  • Digitale Hilfen sind keine Förderung — sie reduzieren Alltags­barrieren, aber ersetzen keine gezielte LRS-Therapie oder Sonderpädagogik.
  • Nachteilsausgleich klären — was bei Klassenarbeiten erlaubt ist, hängt vom Bundesland und Förderstatus ab. Schriftlich im Förderplan dokumentieren.
  • Lese-Übung bleibt wichtig — Vorlese-Funktion darf nicht jedes Lesen ersetzen. Lesekompetenz selbst ist Lernziel — KI/Tools sind Werkzeug, nicht Vermeidung.
  • Sensible Sprache — „Schüler:in mit LRS" statt „Legastheniker:in". Personen-zentriert sprechen.
  • Diagnostik bleibt fachlich — bei Verdacht auf LRS: Sonderpädagog:in oder Beratungslehrkraft einschalten, nicht KI als Diagnose-Ersatz.

Häufige Fragen

Ersetzen digitale Hilfen die Förderdiagnostik?

Nein. Sonderpädagogische Diagnose, Förderpläne und individuelle Begleitung bleiben menschliche Arbeit. Digitale Hilfen reduzieren Barrieren im Alltag — die fachliche Förderung steht parallel.

Darf ich Vorlese-Funktion bei Klassenarbeiten zulassen?

In vielen Bundesländern ja — als Nachteilsausgleich. Vorgaben variieren. Mit Sonderpädagog:in und Schulleitung klären, am besten schriftlich im Förderplan dokumentieren.

Wie verhindere ich, dass nur die LRS-Schüler:innen die Vorlese-Funktion nutzen — also stigmatisiert werden?

Vorlese-Funktion für die ganze Klasse anbieten. Auch starke Leser:innen profitieren beim Hören mehrerer Sprachen, langer Texte, neuer Wortschatz. Wer es nicht braucht, nutzt es nicht — niemand wird markiert.

Welche Schriftart soll ich für LRS-Materialien wählen?

OpenDyslexic ist speziell für LRS entwickelt (kostenlos). Atkinson Hyperlegible ist eine schul-taugliche Alternative. Bei Standard­schriften: Arial oder Verdana mit ≥ 12pt und 1,5-Zeilen­abstand.

Wie kommuniziere ich digitale Hilfen mit Eltern?

Transparent als Lern­unterstützung — nicht als „Sonder­behandlung". Eltern sind meist sehr verständnisvoll, wenn klar wird: Tools senken Barrieren, fördern Lern­erfolg. Schriftliche Vereinbarung sinnvoll.

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