Klare Regeln sind kein Verbot — sondern eine Erlaubnis mit Geländer.
Eine gute KI-Nutzungsordnung schützt nicht nur die Schule, sondern auch alle Beteiligten. Sie macht transparent, was möglich ist und wo Grenzen liegen. Diese Vorlagen sind frei nutzbar und an die eigene Schule anpassbar — als Mediennutzungs-Vereinbarung, schulinterne Richtlinie oder Anhang zur Hausordnung.
Warum eine KI-Ordnung?
Drei Argumente. Erstens: Klarheit für alle. Lehrkräfte wissen, was sie dürfen, Schüler:innen wissen, was erlaubt ist, Eltern wissen, wie die Schule mit KI umgeht.
Zweitens: Vermeidung von Wildwuchs. Ohne Regeln entscheidet jede Lehrkraft anders — das frustriert Schüler:innen und führt zu Ungerechtigkeit.
Drittens: Rechtliche Absicherung. Mit dem EU AI Act und steigender Aufmerksamkeit für KI in Schulen schützt eine dokumentierte Ordnung vor späteren Vorwürfen.
Aufbau einer guten Regel
Acht Bestandteile, die jede KI-Ordnung enthalten sollte. Unsere Vorlagen weiter unten folgen genau dieser Struktur.
- Geltungsbereich: Wer und welche Geräte sind betroffen? Schul-Geräte, BYOD, Privat-Geräte?
- Erlaubte Nutzung: Klare Beispiele dessen, was problemlos möglich ist.
- Verbotene Nutzung: Konkrete No-Gos — keine schwammigen Formulierungen.
- Datenschutz-Regeln: Was gehört nicht in KI? Anonymisierung, Schülerdaten, Klausuren.
- Aufgabenformate: Wann ist KI-Hilfe erlaubt, wann nicht (z. B. bei Klassenarbeiten)?
- Kennzeichnung: Müssen KI-Anteile transparent gemacht werden? Wie?
- Verstöße: Welche Folgen, abgestuft. Keine reine Bestrafungsorientierung.
- Geltungsdauer und Anpassung: Wann wird die Ordnung überprüft und aktualisiert?
Vorlage: KI-Nutzungsordnung für Lehrkräfte
Anpassbare Vorlage für die schulinterne Lehrkräfte-Regelung. Direkt kopieren und an Schulname, Tools und Datum anpassen.
KI-Nutzungsordnung für Lehrkräfte [Schulname] · Stand [Datum] §1 Geltungsbereich Diese Ordnung gilt für alle Lehrkräfte und Mitarbeitenden der [Schulname] beim Einsatz von KI-Werkzeugen im dienstlichen Kontext. §2 Erlaubte Nutzung Erlaubt ist der Einsatz von KI-Werkzeugen zur: - Erstellung und Differenzierung von Unterrichtsmaterialien - Korrektur und Bewertung anonymisierter Schülerleistungen - Vorbereitung von Klassenarbeiten und Erwartungshorizonten - Kommunikation mit Eltern (ohne personenbezogene Schülerdaten) - Recherche, Stundenplanung und didaktische Reflexion §3 Datenschutz Es ist untersagt, personenbezogene Schülerdaten in nicht-schulgehostete KI-Werkzeuge einzugeben. Dazu zählen insbesondere: - Klarnamen, Initialen oder identifizierbare Bezüge - Noten, Leistungsbewertungen, Förderbedarfe - Krankheiten, familiäre Situationen, Diagnosen - Vollständige Klassenlisten oder Notenspiegel §4 Empfohlene Tools Die Schule empfiehlt vorrangig folgende KI-Werkzeuge: - [SchulKI / fobizz / andere schulgehostete Lösung] - Microsoft Copilot im Rahmen der schuleigenen M365-Lizenz Andere Tools (z. B. ChatGPT, Gemini, Claude) dürfen für die persönliche Vorbereitung ohne personenbezogene Daten genutzt werden. §5 Verstöße Verstöße werden im ersten Schritt mit einer dienstlichen Mitteilung und einer Erinnerung an die Regelung beantwortet. Wiederholte oder schwerwiegende Verstöße können dienstrechtliche Konsequenzen haben. §6 Geltungsdauer Diese Ordnung gilt ab [Datum] und wird jährlich überprüft.
Vorlage: KI-Vereinbarung für Schüler:innen
Vereinbarung zum gemeinsamen Unterschreiben mit Erziehungsberechtigten. Niveauangepasst formuliert.
KI-Nutzungsvereinbarung für Schüler:innen [Schulname] · Klasse [Klasse] §1 Was ist erlaubt? Du darfst KI-Werkzeuge nutzen, um: - dir Themen erklären zu lassen - Texte sprachlich zu verbessern (Rechtschreibung, Grammatik, Stil) - Übungsaufgaben zu generieren oder Lösungswege zu verstehen - erste Ideen für Vorträge oder Aufsätze zu sammeln §2 Was ist nicht erlaubt? Du darfst KI nicht nutzen, um: - ganze Hausaufgaben oder Aufsätze von KI schreiben zu lassen und als eigene auszugeben - in Klassenarbeiten oder Tests KI heimlich einzusetzen - Mitschüler:innen zu schaden (Fake-Texte, manipulierte Bilder) - persönliche Daten anderer Personen in KI-Werkzeuge einzugeben §3 Kennzeichnung Wenn du KI für eine schulische Aufgabe genutzt hast, kennzeichne das transparent — z. B. mit dem Hinweis: „Ich habe Teile dieses Textes mit Unterstützung von [Tool] erstellt." §4 Verantwortung Wenn du KI nutzt, bleibst du verantwortlich für das, was du abgibst. Faktische Fehler, ungeprüfte Behauptungen oder Plagiate gehen auf dein Konto, nicht auf das der KI. §5 Verstöße Verstöße werden im ersten Schritt mit einem Gespräch und einer Klärung beantwortet. Bei wiederholten oder schwerwiegenden Verstößen können erzieherische Maßnahmen folgen. Diese Vereinbarung habe ich gelesen und verstanden. ___________________________________ Datum, Unterschrift Schüler:in ___________________________________ Datum, Unterschrift Erziehungsberechtigte:r
Vorlage: Eltern-Information
Begleitschreiben für Eltern. Schafft Verständnis und Mitverantwortung.
Liebe Eltern und Erziehungsberechtigte, KI-Werkzeuge sind im Schulalltag angekommen. Schüler:innen nutzen ChatGPT, Gemini und andere KI-Dienste — manchmal sehr sinnvoll, manchmal problematisch. Die [Schulname] hat dazu eine klare Position: 1. KI-Werkzeuge sind kein Verbots-Thema, sondern ein Bildungs-Thema. 2. Wir möchten Ihre Kinder befähigen, KI kompetent und verantwortungsvoll zu nutzen. 3. Im Unterricht wird KI dort eingesetzt, wo sie pädagogisch sinnvoll ist — und dort vermieden, wo sie die Eigenleistung der Schüler:innen ersetzt. Was Sie zu Hause unterstützen können: - Sprechen Sie mit Ihrem Kind über KI-Nutzung. Welche Tools kennt es? Wofür nutzt es sie? - Achten Sie auf Datenschutz: keine persönlichen Daten (Namen, Adressen, Fotos) in offene KI-Werkzeuge. - Ermutigen Sie zu kritischer Reflexion: Stimmt das wirklich, was die KI sagt? - Bei Unsicherheit oder Fragen wenden Sie sich gerne an die Klassen- oder Fachlehrkräfte. Die schulische KI-Nutzungsordnung sowie die Vereinbarung für Schüler:innen liegen separat bei. Mit freundlichen Grüßen Schulleitung [Schulname]
Umgang mit Verstößen
Drei Stufen mit klaren Beispielen und Reaktionen. Abgestuft, nicht reflexhaft.
Bagatell-Verstoß
Beispiel: Vergessene Kennzeichnung von KI-Hilfe, kleinerer Datenschutz-Lapsus.
Reaktion: Klärungs-Gespräch, Erinnerung an die Regelung, ggf. Korrektur.
Standard-Verstoß
Beispiel: Hausaufgaben/Vorträge komplett von KI generiert und als eigene ausgegeben.
Reaktion: Note oder Bewertung wird angepasst, Wiederholung der Aufgabe, dokumentierte Notiz.
Schwerwiegender Verstoß
Beispiel: KI-Einsatz in Klassenarbeit, Manipulation von Mitschüler:innen-Texten, Datenschutz-Verletzung mit personenbezogenen Daten.
Reaktion: Klassenkonferenz oder erzieherische Maßnahme, Eltern-Information, ggf. schulrechtliche Schritte.
8-Schritte-Einführungs-Plan
Wie führt man eine KI-Ordnung erfolgreich an einer Schule ein? Diese acht Schritte haben sich in der Praxis bewährt.
- Bestandsaufnahme: Wer in der Schule nutzt schon KI? Wo gibt es Wildwuchs? Welche Tools sind bereits im Einsatz?
- Kollegium informieren: Pädagogischer Tag oder Mikrofortbildung zum Status quo. Erst Verständnis, dann Regeln.
- Arbeitsgruppe bilden: Schulleitung, Datenschutzbeauftragte:r, Medienbeauftragte:r, ggf. Schüler-Vertretung und Eltern-Vertretung.
- Vorlage anpassen: Diese Vorlagen als Ausgangspunkt nehmen, an Schulkultur und Bundesland-Vorgaben anpassen.
- Beschluss in Schulkonferenz: Demokratische Legitimation — wichtig für Akzeptanz.
- Kommunikation: Eltern-Brief, Schüler-Vereinbarung, Lehrkräfte-Ordnung gleichzeitig veröffentlichen.
- Begleitende Schulungen: Lehrkräfte-Fortbildung, KI-Kompetenz-Unterricht für Schüler:innen.
- Jährliche Überprüfung: KI ändert sich schnell — Regeln müssen mitwachsen.
Häufige Fragen
Sind diese Vorlagen rechtsverbindlich?
Nein. Diese Vorlagen sind Muster zur Anpassung an die eigene Schule. Maßgeblich sind die Vorgaben deines Bundeslandes, deines Schulträgers und die Beschlüsse deiner Schulkonferenz. Vor der Einführung sollte die Ordnung von Schulleitung und ggf. Datenschutzbeauftragte:r geprüft werden.
Brauchen wir wirklich eine eigene KI-Ordnung?
Empfehlenswert ist sie auf jeden Fall. Mit dem EU AI Act (gültig seit Februar 2025) und zunehmender KI-Nutzung in Schulen entstehen Erwartungen an klare Regeln. Eine schulinterne Ordnung schafft Transparenz für Lehrkräfte, Schüler:innen und Eltern — und schützt rechtlich.
Wie streng sollen die Regeln sein?
Streng genug, um Missbrauch zu verhindern — locker genug, um Lernen zu ermöglichen. Pure Verbote bewirken meist das Gegenteil (heimliche Nutzung). Differenzierte Regeln nach Aufgabentyp (Hausaufgaben anders als Klassenarbeiten) funktionieren besser.
Müssen Schüler:innen die Vereinbarung unterschreiben?
Empfehlenswert ja, mit Mitunterzeichnung der Erziehungsberechtigten. Das macht die Vereinbarung verbindlicher und schafft auch zu Hause das Bewusstsein, dass KI ein Thema mit Regeln ist. Pragmatischer Mittelweg: Unterschrift bei Eintritt in die Schule oder zu Schuljahresbeginn.
Was passiert, wenn ein:e Schüler:in in der Klassenarbeit KI nutzt?
Die Reaktion sollte abgestuft sein: erstes Mal Klärungs-Gespräch und Wiederholung. Bei wiederholten Verstößen Notenanpassung oder erzieherische Maßnahme. Wichtig ist, dass die Regelung in der schulinternen Ordnung steht und allen vorab kommuniziert wurde.
Können wir die Vorlagen frei nutzen und anpassen?
Ja, diese Vorlagen sind frei verwendbar. Wir empfehlen, sie an die eigene Schulkultur, das Bundesland und die Schulträger-Vorgaben anzupassen. Bitte prüft die finale Fassung vor Veröffentlichung intern (Schulleitung, Datenschutzbeauftragte:r).